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Begrüßungsrede von Helgo Hahn

Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine e. V.

 zur Festspielpreis-Verleihung am 16. Juli 2016, 11:00 Uhr, Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine

 Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, liebe Festspielfreunde und liebe Freunde der Stiftsruine,

 auch ich begrüße Sie herzlich, auch im Namen der "Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine".

 Mein besonderer Gruß gilt Dr. Manuel Lösel, dem Staatssekretär im hessischen Kultusministerium als Vertreter des hessischen Kabinetts.

 Ich freue mich, zahlreiche Protagonisten unserer Festspiele begrüßen zu dürfen, darunter den letztjährigen Träger des Großen Hersfeldpreises Christian Schmidt und den Gewinner des Zuschauerpreises André Eisermann.

 Ich begrüße den Juryrvorsitzenden Hermann Diel vom Hessischen Rundfunk, der nachher die Preisträger bekannt geben und die Laudationes verlesen wird. Unsere Juroren haben vor einer Woche in lebhafter Diskussion die Hersfeldpreis­träger bestimmt.

 Lassen Sie mich jetzt schon unserer Festspielverwaltung danken, ohne die diese Hersfeldpreis-Verleihung nicht stattfinden könnte. Danke an die Licht-, Ton- und Bühnentechnik. Heute agieren wir, wie sie unschwer erkennen können, im Bühnenbild von „My Fair Lady“, die heute um 15 Uhr über die Bühne geht. Danke an all die fleißigen Helferinnen und Helfer im Hintergrund, die für Ihr Wohlbefinden und Ihre Sicherheit sorgen.

 Herzlichen Dank an Jule Gölsdorf, die heute die Moderation unserer Preisverleihung übernimmt. Dank auch den Musikern des Festspielorchesters mit Christoph Wohlleben, die den musikalischen Rahmen gestalten.

 Und nicht zuletzt herzlichen Dank an unseren Intendanten Dr. Dieter Wedel, seinen Assistenten Joern Hinkel und den gesamten Stab, der auch in diesem Jahr unsere Veranstaltung mit musikalischen und schauspielerischen Beiträgen des Ensembles bereichert.

 Die Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine feiert in diesem Jahr ihr 65jähriges Bestehen. Vom 8.-15. Juli 1951 fanden die ersten Bad Hersfelder Festspiele statt. Gegründet wurden Sie  von kulturinteressierten Bürgern der Stadt, wie Mitgliedern des Bad Hersfelder Chorvereins, Lehrern, Geschäftsleuten wie die Fabrikanten Rechberg und Braun und weiteren Persönlichkeiten, z. B. dem damaligen Bürgermeister Dr. Jansen, dem Sparkassendirektor Junk und dem ersten Intendanten, Johannes Klein.

In dem magischen Raum der Stiftsruine war sporadisch immer mal wieder Theater gespielt worden, nun entschloss man sich, regelmäßige Festspiele zu veranstalten. Johannes Klein war Assistent von Max Reinhard und hatte dadurch den Salzburger „Jedermann“ bestens kennengelernt. Deshalb war es naheliegend, das Mysterienspiel in diesem großartigen Ruinenraum mit den Superstars der Schauspieler ihrer Zeit zu inszenieren: Hans Caninenberg, Lil Dagover, Attila Hörbiger, Paula Wessely oder Otto Ströhlin.

Man sprach vom „Salzburg des Nordens“ und den Festspielen war vom Start weg eine hohe Aufmerksamkeit gewiss, die sich unter anderem darin zeigte, dass Bundespräsident Heuss die Schirmherrschaft übernahm. Die "Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine" übernahm in den ersten Jahren die Trägerschaft der Festspiele, weil sich der Magistrat nicht dazu entschließen konnte, das finanzielle Risiko des Etats von 50.000 DM zu tragen. Dies hat sich glücklicherweise nachhaltig geändert!

Die Tätigkeitsbereiche der Ruinenfreunde lagen nun auf anderen Gebieten. Man etablierte z. B. ab 1961 gemeinsam mit dem Journalisten Kurt Heinze und Heinrich Heym, dem Dramaturgen der Festspiele, die Vergabe der Hersfeldpreise.

Bereits 1958 führten die Freunde der Stiftsruine einen Ideenwettbewerb für eine Überdachung der Stiftsruine durch. 37 Entwürfe gingen ein, aber es dauerte noch bis zum Jahr 1968, bis einer der Entwurfseinreicher, Professor Dr. Frei Otto, der im letzten Jahr 90jährig verstarb, den Wunsch nach Regenschutz für die Zuschauer Wirklichkeit werden ließ. Die denkmalschützerische Vorgabe war, dass die Konstruktion demontierbar sein müsse und die Mauern nicht berühren dürfe. Das Ergebnis genießen wir noch heute. Wir würdigen auf die Initiative des "Förderkreis Museum Bad Hersfeld e.V." am Samstag, 6. August um 18:00 Uhr Frei Ottos Konstruktion indem wir auf Hinweistafeln die Dachkonstruktion erklären. Auch seine Witwe wird anwesend sein.

Im Jahr 2000 wurde auf Initiative der "Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine" die älteste gegossene Glocke Deutschlands, die Lullusglocke, zum Läuten eingerichtet. Sie erklingt nun wieder zu den hohen Kirchenfeiertagen und zur Eröffnung des Lullusfestes.

Das jüngste Projekt der "Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine" war eine ständige Ausstellung, die die Entwicklung der Bad Hersfelder Festspiele dokumentiert. Am 9. März letzten Jahres wurde die Dauerausstellung in der „Galerie im Stift“ eröffnet.

Stets aber war und ist die "Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine" ein verlässlicher Partner und Förderer der Bad Hersfelder Festspiele. In diesem Jahr haben wir z. B. dafür gesorgt, dass im Eingangsbereich der Stiftsruine neue Info-Monitore aufgestellt wurden, die die Zuschauer mit aktuellen Informationen zu den Aufführungen versorgen. Wir helfen bei der Organisation und Durchführung der Einführungvorträge jeweils eine Stunde vor Stückbeginn und führen nicht zuletzt auch Veranstaltungen im Sinne von „Festspiele rund ums Jahr“ durch.

Überrascht waren wir über die Mitteilung, dass ein neuer Förderverein, die „Freunde der Bad Hersfelder Festspiele“ gegründet werden sollte. Dr. Wedel begründete dies u. a. damit, dass man nie genug Freunde haben könne. Da die grundsätzliche Zielsetzung, nämlich die materielle Unterstützung und Werbung für unsere Festspiele, gleich ist, arbeiten wir partnerschaftlich mit den „Freunden der Bad Hersfelder Festspiele“ zusammen. Dies ist z. B. für den Hersfeldpreis sichtbar in der Tatsache, dass Dr. Wilhelm Bing, von den Freunden der Festspiele entsandt, der Jury angehörte. Hoffen wir, dass auch der überregional aufgestellte Freundeskreis die Festspiele nachhaltig und langfristig unterstützen kann.

Herr Dr. Wedel, Sie haben in letzter Zeit öfter erfreut darauf hingewiesen, wie stark die Festspiele in der Hersfelder Bürgerschaft verankert seien. Für uns Hersfelder gehören die Festspiele zum normalen Jahresablauf wie Konzerte, der Live Jazz oder das Lullusfest. Bei aller Routine aber schätzen wir das Außerordentliche, insbesondere die vielen künstlerischen Gäste, die sich im Sommer in unserer Stadt aufhalten.

An dieser Stelle danke besonders den Mitgliedern unseres Ensembles, die wie in jedem Sommer nicht nur die Festspiele strahlen lassen, sondern auch unser Leben im Städtchen bereichern, indem sie mit uns und mitten unter uns leben. Das macht echtes Festspielflair aus und wirkt wohltuend und erfrischend!

Wir hatten aber auch stets das Glück, dass alle Intendanten die Bad Hersfelder Festspiele weiterentwickelt haben. Ich will nur ein paar Stationen nennen:

 William Dieterle erweitert nach Johannes Klein die Mysterienspiele mit dem „Sommernachtstraum“ um die Komödie.

Ulrich Erfurth setzt auf deutsche Klassiker, von Günter Fleckenstein um moderne Klassiker wie Brecht, Beckett oder Anouilh erweitert.

Die kurze Intendanz von Reinhold Olzcewski bringt mit „Der Mann von La Mancha“ das erste Musical auf die Bühne. Ich erinnere mich noch gut an große Darsteller wie Ernst Stankovski, Dietlinde Turban, Gottfried John oder Mario Adorf.

Die erste Intendanz von Dr. Peter Lotschak besinnt sich wieder auf das Mysterienspiel, daneben etabliert er die österreichische und französische Komödie von Nestroy und Moliere.

Karl Vibach, der Musicalspezialist, landet den ersten großen Erfolg mit Anatevka, das 3 Jahre lang mit Wolfgang Reichmann als Tevje läuft. Zum ersten Mal wird mit den „Deutschen Kleinstädtern“ von Kotzebue eine Komödie im Eichhof gespielt.

Volker Lechtenbrink etabliert das Kinderstück bei den Festspielen auf der Bühne der Stiftsruine. Helmut Stauss‘ Inszenierung des „Räuber Hotzenplotz“ ist legendär und ruft auch heute noch wehmütige Erinnerungen hervor. Zum ersten Mal besuchen mehr als 100.000 Zuschauer die Festspiele.

Die zweite Intendanz von Dr. Lotschak perfektioniert das Musical: „Evita“ mit Helen Schneider und „Jesus Christ Superstar“ mit Yngve Gasoy-Romdal laufen ausverkauft jeweils in drei Spielzeiten.

Elke Hesse ist die erste Frau als Intendantin, sie ist mehr Managerin als Regisseurin und beschreitet neue Wege des Marketings der Festspiele.

Holk Freytag setzt auf Romandramatisierungen wie „Der Name der Rose“ oder den „Zauberberg“ und das klassische Sprechtheater und feiert Erfolge mit „Nathan der Weise“ und „Maria Stuart“.

Im zweiten Jahr Ihrer Intendanz, Herr Dr. Wedel, zeichnet sich ebenfalls deutlich eine Weiterentwicklung der Festspiele ab. Beginnend mit dem Foyer im Grünen haben Sie die öffentliche und mediale Wahrnehmung unserer Festspiele deutlich geschärft. Das kann kaum hoch genug geschätzt werden.

Es ist ebenfalls Ihr Verdienst, dass nun das Verhältnis zwischen dem Arbeitskreis für Musik und den Festspielen geklärt ist. Der lange Zeit knebelnde Vertrag ist ausgelaufen und nun kann wieder, flankierend zu den Bühnenwerken, eine Vielfalt musikalischer Ereignisse geplant werden, ganz wie früher, als wir Musiker wie Fabio Luisi, Justus Franz oder Yehudi Menuhin in der Stiftsruine erleben durften.

Leider ist es nicht gelungen, die beiden Institutionen gütlich zu einigen. Das hat zu einem Verlust geführt, den wir gerne vermieden hätten. Dieser Verlust ist in diesem Jahr schmerzlich spürbar und wird durch das Angebot klassischer Konzerte nur teilweise ausgeglichen. Deshalb muss ein Ziel lauten, bei den Festspielen wieder eine Oper anzubieten.

Wir müssen auch über die Organisationsform der Festspiele nachdenken und es ist ausdrücklich zu begrüßen, dass Bürgermeister Fehling hier zunächst in einer Kommission die ergebnisoffene Beratung sucht.

Wir dürfen aber nicht nur über die Geschäftsform sprechen, sondern wir müssen perspektivisch auch einen inhaltlichen Rahmen vorgeben, der zukünftigen Intendanten die Zielsetzung und den Anspruch der Bad Hersfelder Festspiele vorgibt.

Die Bad Hersfelder Festspiele sind Theaterfestspiele. Hier ist sich Dr. Wedel mit seinen Vorgängerintendanten einig. Nur dann dürfen wir Unterstützung durch die öffentliche Hand erwarten. Wünschenswert wäre also ein Rahmen bestehend aus zwei Schauspielen, einem Musical, einer Oper und einem Stück für die ganze Familie und jüngere Menschen, so wie ich ihn schon 2013 zur Diskussion gestellt habe.

Dies ist das Kerngeschäft der Bad Hersfelder Festspiele. Diese Stücke müssen in der Ruine gespielt werden, denn sie ist neben prominenten Schauspielerinnen und Schauspielern der Magnet für die auswärten Besucher. Sie wollen Theater IM einzigartigen Raum, AUF der einzigartigen Bühne, UNTER dem einzigartigen Zeltdach erleben, oder, wenn es das Wetter erlaubt, in lauer Sommernacht unter freiem Himmel sitzen.

Der Eichhof und weitere Spielstätten bilden ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm für Gäste, die länger in unserer Stadt bleiben möchten.

Die Bad Hersfelder Festspiele sind Bürgerfestspiele, von ihnen ins Leben gerufen, am Leben erhalten und von ihnen ideell und materiell getragen. Bei allen Erfolgen und neuen Einrichtungen darf aber der Bogen, insbesondere im finanziellen Bereich nicht überspannt werden.

Wir danken allen Zuschussgebern, privaten wie öffentlichen, die es ermöglicht haben, den finanziellen Rahmen der Festspiele in den letzten beiden Jahren deutlich zu erhöhen. Eine Überschreitung dieses Kostenrahmens ist nun allerdings kaum noch vermittelbar.

Und wir dürfen uns auch nicht in die völlige Abhängigkeit des sponsorgestützen Theaters begeben, denn diese Abhängigkeit könnte die künstlerische Freiheit in Gefahr bringen.

Freuen wir uns also über das Bürgerengagement, das sich am klarsten in einer Mitgliedschaft bei der "Gesellschaft der Freunde der Stiftsruine" zeigt. Hier können Sie als einfaches Mitglied oder Förderer die Festspiele unterstützen und unsere einzigartige Stiftsruine erhalten. Ich würde mich freuen, besonders heute zahlreiche neue Mitglieder begrüßen zu dürfen. Anmeldungsformulare finden Sie in großer Menge am Ausgang oder auf unserem Sommerfest direkt im Anschluss an diese Preisverleihung. Ich lade Sie herzlich zu einem kleinen Imbiss und Getränk im Bereich der Festspielkantine ein. Ich freue mich auf anregende Gespräche und Diskussionen zum Wohle unserer Festspiele.