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ein Lied geht um die Welt

 EIN LIED GEHT UM DIE WELT

  Am 17. Juli 1968, also genau vor 50 Jahren, starb in Bad Hersfeld der Schauspieler Max Strassberg. Am Abend zuvor hatte er noch in der Rolle des Bauern im Salzburger Großen Welttheater auf der Festspielbühne in der Stiftsruine gestanden. „Sein Wunsch und Wille war es“, schreibt Volker Lechtenbrink in seinen Memoiren, „in Bad Hersfeld, das ihm zur zweiten Heimat geworden war, auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt zu werden.“
Zu einer außergewöhnlichen Trauerfeier auf dem Jüdischen Friedhof an der Heinrich-Heine-Straße versammelten sich am 22. Juli 1968 nahezu alle Mitglieder des Festspiel-Ensembles und viele Freunde des populären und wegen seiner großen Hilfsbereitschaft gerühmten Max Strassberg aus dem In- und Ausland. Die Traueransprache hielt Landesrabbiner Professor Dr. Roth, Bundespräsident Lübke würdigte den Verstorbenen mit einem Kranz, den Bürgermeister Werner Hessemer niederlegte. (s. Foto)


1958 hatte Max Strassberg in dem Film „Ein Lied geht um die Welt“ mitgewirkt. Er spielte in diesem Film seine eigene Rolle als jener Max Strassberg, der im September 1942 in dem Schweizer Internierungslager Girenbad die letzten Stunden des deutsch-jüdischen Tenors Joseph Schmidt (der „deutsche Caruso“) miterlebte. Max Strassberg musste als Zwangsinternierter wie Joseph Schmidt und Tausende anderer in die Schweiz Geflüchteter leidvoll erfahren, dass der erhoffte Schutz außerhalb des Territoriums des Naziregimes durch die restriktive Asylgesetzgebung der Schweizer Regierung sehr fragil war. Der Tod des weltberühmt gewordenen Tenors Joseph Schmidt im Alter von 38 Jahren war letztendlich die Folge unzulänglicher medizinischer Versorgung.


Unabhängig von der besonderen Rolle Max Strassbergs als Darsteller seiner selbst und als Leidensgenosse von Joseph Schmidt, ist dieser Film geeignet, in der gegenwärtigen Debatte um Flüchtlinge und Asyl unverkennbare Parallelen und Hintergründe aufzuzeigen. An der Seite von Max Strassberg spielen in dem von Géza von Bólvary inszenierten 98-Minuten-Streifen u. a. Hans Reiser, Theo Lingen, Karl Lieffen und Annie Rosar.
Zu einer Vorführung von „Ein Lied geht um die Welt“ lädt die Projektgruppe Zeitsprünge Hersfeld-Rotenburg für Dienstag, 17. Juli 2018, 19.00 Uhr“ in das Bad Hersfelder Kinocenter ein, das bereitwillig seine Technik und den Savoy-Kinosaal zur Verfügung stellt, sodass es keine Abstriche an der Qualität und Ästhetik des Films von 1958 geben wird. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hersfeld-Rotenburg und vom Jüdischen Museum Rotenburg. Unkostenbeitrag 5.- €.

 

 

1) Trauerfeier am 22. Juli 1968 auf dem Jüdischen Friedhof Bad Hersfeld, Heinrich-Heine-Straße
2) Porträt Max Strassberg 1966
3) Max Strassberg (links) in der Rolle des Bauern im Großen Welttheater am 16. Juli 1968 bei den Hersfelder Festspielen
4) Grabstein von Max Strassberg auf dem Jüdischen Friedhof in Bad Hersfel